Schützengesellschaft 1886 Bebra e.V.

Subscribe

Chronik

Chronik der Schützengesellschaft 1886 Bebra e.V.

Vorwort

Die Schützenorganisationen blicken auf eine jahrhundert alte Tradition zurück. Sie entwickelten sich aus den Bürgergilden und Bürgerwehren. Ihren militärischen Charakter erhielten sie besonders im 17. Jahrhundert, nach dem 30jährigen Krieg, als sie zum Schutz der Bürger eingesetzt wurden. Das war auch der Grund, warum sie nur männliche Mitglieder aufnahmen. Natürlich hat sich das im Laufe der zeit geändert. Nach unsere heutigen Auffassung, dem Grundsatz der Gleichberechtigung entsprechen, können und sollen auch Frauen Mitglieder der Schützenbewegung werden. Währen früher die Pflege vaterländischer Gesinnung Hauptaufgabe der Schützenvereine war, bilden heute Kameradschaft und Geselligkeit die wesentlichen Kräfte in ihrem Gemeinschaftsleben. Ihr wichtigstes Anliegen ist jedoch die schießsportliche Betätigung in der sich Schützenschwestern und –brüder üben, um in Wettkämpfen zu Ehren und Preisen zu gelangen.

Gründungsversammlung

Im Jahre 1886 kamen einige schießsportbegeisterte  Männer in Bebra zusammen, um die Schützengesellschaft 1886 Bebra (SG 86) aus der Taufe zu heben. In der Gründungsversammlung im Hotel Schlüter, wählten sie ihren ersten Vorsitzenden, Kurt Rendel, und den 2.Vorsitzenden Schützenbruder Schlüter. Das Amt des Kassierers übernahm Wilhelm Reinhardt, das des Schriftführers Schützenbruder Sawallig. Das Vereinslokal befand sich im Hotel Schlüter. Geschossen wurde in der freien Natur, vermutlich in der Kiesgrube „Am Schelter“. Die Liebe zur Heimat und zum Vaterland, aber auch der friedliche Wettstreit im Schießsport hatten zu diesem kameradschaftlichen Zusammenschluss geführt.

Gründungsschützenfest

Am 5. September 1886 fand das Gründungsschützenfest statt. Aufschluss über diese Veranstaltung gibt ein Artikel im Kreisblatt Rotenburg vom 8. September 1886:

Der hiesige Schützenverein feiert heute sein erstes Schützenfest. Nachmittags um 2 Uhr versammelten sich die Teilnehmer im Hotel Schlüter, von wo der Abmarsch erfolgte.

Voran zwei Herolde in altdeutscher Tracht zu Pferde, dann kamen 16 Mann Musici; hierauf  folgten der Vorstand und das Schützencorps in seiner sehr kleidsamen Tracht und zum Schluss der Gesangverein. Der Zug bewegte sich durch die Hauptstrassen nach dem Schützenplatz, daselbst angekommen, sofort mit dem Preisschiessen begonnen wurde. Herr Locomotivführer Hess wurde Schützenkönig.

Her Schlüter hatte eine Bude bauen lassen und war namentlich in jeder Weise für das Publikum gut besorgt durch Verabreichung guter  Speisen und Getränke. Bis 9 Uhr wurde im Freien concertiert und getanzt, worauf der Rückmarsch nach dem Hotel Schlüter in bester Ordnung angetreten wurde. Daselbst angekommen, wurde ein Tanzvergnügen arrangiert, welches bis in die späte Nacht dauerte. Wünschen wir dem jungen Verein ein gute Gedeihen.“

Soweit der Originalbericht über das erste öffentliche Auftreten der Schützengesellschaft.

Eröffnungsschießen

1-bild1

<!– /* Style Definitions */ p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-parent:”"; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:12.0pt; font-family:”Times New Roman”; mso-fareast-font-family:”Times New Roman”;} @page Section1 {size:612.0pt 792.0pt; margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; mso-header-margin:36.0pt; mso-footer-margin:36.0pt; mso-paper-source:0;} div.Section1 {page:Section1;} –>

Hier zeigt sich bereits, dass die Bevölkerung regen Anteil an der sportlichen und gesellschaftlichen Tätigkeit der SG nahm. Dieses starke Interesse und die wachsende Zahl der Mitglieder, aber auch die Durchführung des alljährlichen Königsschiessens veranlasste die Gesellschaft, sich nach einem festen Standort für die sportliche Betätigung umzusehen. Der Platz „Am Schelter“ schien am geeignetsten. Hier wurde 1890 eine Schießanlage mit Vorhalle errichtet und bis 1926 benutzt. Wenn man bedenkt, dass die SG im Jahre 1898 vierzig Mitglieder zählte, kann man ermessen, welcher finanzielle Anstrengungen jedes einzelnen es bedurfte, um eine solche Schießanlage zu schaffen und zu unterhalten.

2-bild

Schützenbrüder des Jahres 1900

Der Beginn des 1. Weltkrieges im Jahre 1914 unterbrach die rege Schießtätigkeit, aber auch die gesellschaftlichen Veranstaltungen, die bis 1919 fast vollständig ruhten. Nach Kriegsende wurde die SG unter ihrem Vorsitzenden Wilhelm Köhler zu neuem Leben erweckt. Die Aufnahme jüngerer Mitglieder führte zu vielen schießsportlichen Erfolgen. Die jungen Schützen Konrad Horchler, Bernhard Saal, Kurt Walther und Christoph Bolz seien hier besonders erwähnt.

Schießstand auf Mischels

1925/26 wurden der SG kostspielige Prozesse um die Besitzverhältnisse des Grundstücks „Am Schelter“ aufgezwungen, deren negativer Ausgang die Aufgabe der Schießanlage bewirkte. Die Schützenvereine Rotenburg und Weiterode stellten ihre Stände kameradschaftlich zur Verfügung, sodass der Schießbetrieb behelfsmäßig fortgesetzt werden konnte. Um diesem Zustand abzuhelfen, bot der Besitzer des Gutes Mischels, Arthur Ritter, ein Gelände jenseits der Fulda an. Auf ihm wurde durch die Initiative von Konrad Horchler eine provisorische Standanlage errichtet. Hohe finanzielle Aufwendungen bedeuteten die Errichtung eines 50m Standes, sechs weitere Stände zu je 175 m Länge und eines 300 m Standes sowie des Schießhauses. Sie erfüllten ihren Zweck von 1928 bis 1934.

Schützenbrüder auf Michels

Zur Fuldaüberquerung musste aus Zeitersparnisgründen ein Boot als Fähre beschafft werden. Man kann sich vorstellen, dass nach Stunden des Schießens und „Einnehmens von Zielwasser“ die Rückfahrt nach dem Bebra-Ufer  in einem flachen Kahn mit  manchem unfeiwilligen Bad verbunden war, was erheblich zur Fröhlichkeit beitrug. Von einem Verlust an Menschen oder Material wurde nie berichtet.

Der Schießstand an der Franzosenstraße

Der lange Hin und Rückweg zum Gut  Mischels veranlasste den Vorstand im Jahre 1931 den Beschluss zu fassen, ein Grundstück an der „Franzosenstrasse“ zu erwerben, um dem Provisorium ein Ende zu machen. 1934 konnte endlich die neue Schießanlage ihrer Bestimmung übergeben werden. Durch Gemeinschaftsarbeit und Spenden der Mitglieder war eine vorbildliche Einrichtung entstanden, die mit einem Schützenfest unter starker Beiteilung auswärtiger Schützen und Bebraner Einwohner eingeweiht wurde.

Der erste Bau des Schützenhauses an der Franzosenstraße 1934

Das 50jährige Jubiläum

Das 50jährige Jubiläum der SG am 2. Juli 1936 war Anlass für eine schießsportliche Veranstaltung, an der fast alle Brudervereine des Schießkreises Rotenburg – Hersfeld teilnahmen. Als Auszeichnung durfte vom Veranstalter des Festes das Banner des Deutschen Schützenbundes beim großen Festumzug mitgeführt werden. Die Mitgliederzahl betrug in diesem Jahr 48 Schützenbrüder

Beginn des 2. Weltkrieges

1938 fand erstmals ein Vogelschießen statt, dass bei der Bevölkerung allgemeinen Anklang fand. Der Beginn des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 brachte eine Einschränkung des Schießbetriebes mit sich, zumal viele Schützenbrüder zum Dienst am Volke einberufen wurden. Am 4. November 1944 fiel der letzte Schuss auf den Ständen an der Franzosenstraße. 6 gefallene und vermisste Kameraden hatte die SG in diesem Kriege zu beklagen.

Die Nachkriegsjahre

Nach 1945 wurden die Gebäude und alle Waffen beschlagnahmt und das Vermögen der SG unter Kontrolle gestellt. Die Schützenbrüder mussten tatenlos zusehen, wie nach und nach die ganze Schießanlage verfiel und gestohlen wurde. Sie ließen sich jedoch nicht entmutigen und nahmen 1949 den internen Vereinsbetrieb, der aus privaten Zusammenkünften bestand, wieder auf. Am 25. August 1951 fand die erste Vorstandssitzung nach dem Krieg unter dem 1. Vorsitzenden Konrad Horchler statt, der sich unermüdlich für eine Wiederbelebung der Gesellschaft einsetzte. Inzwischen war die Schießhalle von der Vermögensverwaltung widerrechtlich an die Stadt Bebra verkauft worden. Alle Einrichtungsgegenstände waren verschwunden und die Gebäude vollkommen verwahrlost. Die Schießhalle konnte nur zum Zimmerstutzenschießen verwendet werden, zumal andere Waffen fehlten. Die Beteiligung der Schützenbrüder um provisorischen Schießbetrieb war trotzdem rege. Die SG hatte zu dieser Zeit 47 Mitglieder.

Das erste Schießen nach dem 2. Weltkrieg

Am 20. Juli 1952 schoss man erstmals mit Luftgewehren aus 10 m Entfernung. Das erste Königsschießen nach dem Krieg wurde am 10. August 1952 mit Groß- und Kleinkalibergewehren auf 3 Ständen durchgeführt. Erster Nachkriegsschützenkönig war Willi Tieste. Die Mitgliederzahl war inzwischen auf 55 Schützenbrüder angewachsen. Erst 1953 gab der Regierungspräsident in Kassel die Standanlage an den rechtmäßigen Eigentümer, die Schützengesellschaft 1886 Bebra, zurück. 1955 beschloss der  Vorstand, auf dem Gelände an der „Franzosenstraße“ eine neuzeitliche Schießhalle mit angeschlossener Gaststätte zu errichten.

Mitglieder der Schützengesellschaft 1953

Beschluss über den Neubau an der Franzosenstraße

Wieder einmal wurden die Schützenbrüder zu Spenden und Arbeitseinsatz aufgerufen. Diesem Appell folgten sie bereitwillig. So konnte bereits am 9.Juli 1955 ein neuer Luftgewehrstand eingeweiht werden. Die Mitgliederzahl war jetzt bei 86 Schützen. Im gleichen Jahr starb Ehrenmitglied  Johannes Horchler, der Vorbildliches für die Gesellschaft geleistet hatte.

Nach einjähriger Bautätigkeit wurde das neue Schützenhaus am 29. Juli 1956 mit einem feierlichen Akt seiner Bestimmung übergeben. Zu Ehren des langjährigen Vorsitzenden, dessen unermüdlicher Einsatz und kameradschaftlicher Geist Ansporn für alle Mitglieder gewesen war, erhielt es den Namen „Konrad-Horchler-Haus“. Besonders die Jungschützen begrüßten die modernen Stände mit ihren automatischen Kleinkaliberscheiben, die ihnen noch bessere Übungsmöglichkeiten boten.

Zusammenschluss  Schützenverein Treff und Schützengesellschaft

Im Jahre 1957 wuchs die SG auf 101 Mitglieder an. Diese erfreuliche Tatsache war darin begründet, dass der „Schützenverein Treff Bebra“ seine Übungsstätte „Am Schützenplatz“ durch Grundstücksverkauf des Besitzers verloren hatte und eine andere Bleibe suchte. Die neuen Kameraden brachten ihre Gewehre und das Ständematerial mit und verstärkten die Kampfkraft der Schützengesellschaft erheblich.

Der Ehrenvorsitzende

Auf der Jahreshauptversammlung am 25. April 1959 trat der 1.Vorsitzende Konrad Horchler aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten zurück und wurde auf Grund seiner großen Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt. An seine Stelle trat, nach der Wahl, Karl Köhler. In diesem Jahr war das Bemühen aller Mitglieder auf den Bau einer neuen Kleinkaliberschießanlage gerichtet die im Juli 1960 eröffnet wurde. Damit war die Voraussetzung  für ein erweitertes Schießtraining geschaffen worden, um noch größere sportliche Erfolge zu erreichen. Alle Aus- und Umbauten waren nur durch den freiwilligen Einsatz der Schützenbrüder und durch hohe Spendenfreudigkeit ermöglicht worden. Die Ausgaben nach dem Kassenbericht des Jahres 1951 lagen bei genau DM 220,70. Der Sprung im Jahre 1955 auf über DM 5.000 zeigte, dass die SG alle Anstrengungen machte, die technischen Voraussetzungen für gute Schießergebnisse zu schaffen.

Das 75jährige Jubiläum

1961 war das 75jährige Jubiläum der SG. Daher der erhöhte Einsatz, die Schießanlage und das Gästehaus auf den besten und neuesten Stand zu bringen. Im Jubiläumsjahr errang Dr. Ulrich Jacobi die Würde des Schützenkönigs.

Kleinkaliberkönig wurde Bruno Jotzat. Die Festfolge am 4. und 5. Juni 1961 bot der Bevölkerung ein Platzkonzert und einen Festzug durch die Stadt, an dem Schützenbrüder des gesamten Schützenkreises sowie befreundete Vereine teilnahmen. Zu den Tanzveranstaltungen und Volksbelustigungen an beiden Tagen erschienen die Bürger Bebras in großer Zahl. In der vorausgegangenen Woche waren die Schießwettkämpfe durchgeführt worden.

Die Schützengesellschaft zum 75. Jubiläum

Da der Mitgliederbestand in den folgenden Jahren, nach vorhergehendem starkem Anstieg, leicht zurückging, machte der Vorstand sich ins besondere um den jüngeren Nachwuchs Sorgen. Er entschloss sich daher, die drei LG-Stände auf sechs zu erweitern. Im November 1965 konnten die neuen Stände erstmals benutzt werden. 15 Schüler unter Anleitung von zwei Fachleuten hatten sich zu kostenlosem Arbeitseinsatz zur Verfügung gestellt. Der Mitgliederbestand stieg am Ende des Jahres wieder auf über 100 Schützen an. Er nahm in den folgenden Jahren stetig zu.

Am 18. Juni 1965 starb der langjährige vorsitzende und Ehrenvorsitzende der SG Konrad Horchler. Der SG gehörte er 45 Jahre an. Mit ihm trat eine Generation ab, die sich unermüdlich und uneigennützig eingesetzt hatte, alten Schützengeist und Tradition zu pflegen und weiterzugeben. Sein Name ist auf das Engste mit der erfolgreichen  Entwicklung der SG verbunden. Er hat eine Ehrenplatz in den Herzen aller Alt- u. Jungschützen.

Das 80jährige Jubiläum

1966 stellte ein herausragendes Jahr der SG dar. In ihm feierte sie ihr 80jähriges Bestehen. Voraussetzung dazu war der Abschluss des Ausbaues des „Konrad-Horchler-Hauses“. 6 LG und 3 KK-Stände wurden deshalb neu erstellt. Der Vorstand entwarf damals für die Schützenbrüder eine einheitliche  Schützentracht, um die Geschlossenheit der SG Bebra auch nach außen hin zu dokumentieren. Die Spendenfreudigkeit der Mitglieder erreichte in diesem Jahr einen Höhepunkt, der die Schaffung neuer Repräsentations- und Sporträume ermöglichte.

Erstmals nahmen in diesem Jubiläumsjahr Frauen von Schützenbrüdern am Königsschießen teil. Die erste Schützenkönigin hieß Waltraud Wills, sie wurde besonders gefeiert. Die Schützenkönigswürde errang im Jubeljahr Karl Heinz Rehs. Kleinkaliberkönig wurde Georg Horchler.

Im Jahre 1967 war es der 1. Mannschaft der SG auf Grund hervorragender Schießergebnisse gelungen, als Sieger der LG-Gauklasse Schwalm Knüll   in die LG-Landesklasse Nord aufzusteigen. Zu dieser Zeit höchste Ligaklasse des DSB.  Das war der Lohn für eifriges Training auf einer modernen Anlage.

14 Schützenschwestern beteiligten sich am Übungsschießen. Sie waren als vollgültige Mitglieder in der SG aufgenommen worden. Sie hatte danach 118 Mitglieder.

Gesellschaftliche Erfolge erzielten Heinrich Brandau 1966 als Kreisschützenkönig und Margot Krug 1968 als erste  Kreisschützenkönigin.

Die 1200 Jahrfeier der Stadt Bebra

Die 1200 Jahrfeier der Stadt Bebra im Jahre 1969 gab der SG Gelegenheit, sich von der besten Seite zu zeigen.

Im Festzug war seine eine der stärksten und schönsten Gruppen, zumal die Schützenschwestern mitmarschierten. Zum ersten Male wurde ein Stadtschützenkönig ermittelt. Der Bürgermeister überreichte die von der Stadt gestiftete Ehrenscheibe an den besten Schützen: Gerhard Heller.

Das Konrad-Horchler-Haus vor dem Brand 1969

Der große Brand

Das Jahr 1969 war aber auch das Schwerste in der Geschichte der SG. Das in mühevoller Arbeit mit eigenen Mitteln geschaffene und im Aufbau vor kurzem erst abgeschlossene „Konrad-Horchler-Haus“ brannte in den Morgenstunden des 10. Juni trotz schnellem und vorbildlichem Einsatz der Feuerwehr  vollkommen ab. In den Tagen zuvor waren die Königswürdenträger  des Jahres noch ermittelt und gefeiert worden. Schützenkönig wurde Heinrich Führer, Königin: Käti Göbel, Kleinkaliberkönig: Hans Üblacker. Niemand ahnte, dass die fröhlichen Festtage in einer Katastrophe enden würden. Erschüttert standen die Schützenschwestern und –brüder von einem
Trümmerhaufen. Das gesamte Inventar wurde ein Raub der Flammen. 15 wertvolle Gewehre verbrannten. Zu den verbrannten ideellen Werken zählten die 83 Jahre alte Fahne, eine große Anzahl Pokale, Urkunden und Dokumente. Ein nicht zu ersetzender Verlust, der die Aufzeichnungen der Geschichte der SG erheblich erschwerte.

Der Wiederaufbau

In einer zum 12. Juli 1969 einberufenen außerordentlichen Generalversammlung begrüßte der 1. Vorsitzende Rudolf Göbel, Vertreter der Stadt Bebra, an der Spitze der Bürgermeister August Wilhelm Mende, den Vertreter des Landessportbundes im Kreis Rotenburg und die zahlreiche erschienenen Mitglieder der SG. In einer mitreißenden Ansprache brachte Rudolf Göbel den Willen zum Wiederaufbau des „Konrad-Horchler-Hauses“ zum Ausdruck, dem alle Schützenschwestern und –brüder zustimmten. Die Vertreter der Stadt Bebra und des LSB, später auch der Landrat sowie befreundete Vereine und Verbände sagten ihre Unterstützung zu. Aus der Bevölkerung, von den o.a. Organisationen und vor allem aus den eigenen Reihen der Schützen gingen zahlreiche, z.T. hohe Spenden ein. Der schwere Schicksalsschlag fügte die SG  nur noch fester zusammen und stärkte sie in ihrem Aufbauwillen. Der SV Breitenbach stellte seine Schießanlagen uneigennützig zur Verfügung, damit die SG ihren Schießbetrieb fortsetzen konnte. Bis zum Ende des Jahres 1969 erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 142 Personen.

Das Jahr 1970 stand  vollkommen im Zeichen des Wiederaufbaues des „Konrad-Horchler-Hauses“. Das Richtfest fand bereit am 30. Mai 1970 statt. Am 31. Oktober und 1. November 1970 war die offizielle Einweihung mit gleichzeitiger Fahnenweihe. Die Schützenschwestern hatten die Fahne gestiftet und sich damit einen besonderen Platz in der SG, der sie erst wenige Jahre als Mitglieder angehörten, erworben. Zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens, der Vereine und Organisationen waren zugegen, als der drittgrößte Schießstands in Hessen mit 10 LG und 8 KK-Ständen der Schützen übergeben wurde. Auf der nach modernsten Richtlinien, auch hinsichtlich der Sicherheit, erstellten Anlage können alle Schießwettkämpfe nach internationalen Bedingungen ausgetragen werden. Sie wurde zugleich zum Schießsportzentrum des Schützenkreises Rotenburg erklärt und als förderungswürdig anerkannt. Der Vorsitzende  Rudolf Göbel brachte den Wunsch der SG zu Ausdruck, „das neue Konrad-Horchler-Haus möge eine Heimstatt für Jung und Alt“ werden. Mit ihm würde „ das Tor für eine neue Zukunft geöffnet“. „Opfergeist und Gemeinsinn“ hätten diese schöne Anlage ermöglicht. Er bedankte sich nochmals für die wirtschaftliche  und finanzielle Hilfe beim Land Hessen, beim Kreis Rotenburg, bei der Stadt Bebra und beim LSB. Aber auch bei den vielen nicht genannten Helfern  und Spendern, besonders bei den eigenen Schützenschwestern- und –brüdern. Ein Pokal und Ehrenschießen umrahmten die würdige Veranstaltung, deren Abschluss ein gemütliches Beisammensein mit Tanz bildete. Als Dank für seine unermüdliche und uneigennützige Tätigkeit als 1. Vorsitzender, wurde Rudolf Göbel in der Folgezeit zum Ehrenvorsitzenden der SG ernannt. Nach einer überlangen „Regierungszeit“ übernahmen die neue Regentschaft: Schützenkönig Hartmut Beisheim, Schützenkönigin Rosemarie Horchler, Kleinkaliberkönig Georg Horchler.

Natürlich mussten sich die Kosten für die Neubauten im Haushaltsjahr 1970 niederschlagen. Die Ausgaben  für die Baumaßnahmen betrugen fast DM 200.000. Der Großteil wurde durch eigene Spenden und durch öffentliche Förderung aufgebracht. Eine erhebliche Summe musste durch eine Hypothek beschafft werden, deren Abtrag und die Baufolgekosten zogen sich noch jahrelang hin.

Erfolge nach dem Neubau

Eifriges Schießtraining kennzeichnete die folgenden Jahre. Die SG war in Nordhessen zu einem der stärkste, aber auch erfolgreichsten Vereine aufgestiegen. Die Schießwettkämpfe fanden auf Vereins, Kreis, Gau und Landesebene statt. So vertrat die SG den Kreis Rotenburg in den 70igern in  der LG-Landesklasse Nord und in der KK-Gauklasse Schwalm Knüll. Pokal, Meisterschaften und Königsschießen boten den Schützen die Möglichkeit, zu hohen Ehren zu gelangen.  Zur Erhaltung und Verbesserung der Schießanlagen und der sonstigen Einrichtungen führte man einen regelmäßigen Arbeitsdienst ein, für den sich besonders die Jungschützen zur Verfügung stellten. Aber auch an den Veranstaltungen der Stadt Bebra und des Kreises Rotenburg beteiligte sich die SG rege. In ihrer schmucken Schützenkleidung nahmen viele Schützen an den Kirmes und Heimatfestzügen teil. Die gesellschaftliche Veranstaltungen waren Höhepunkt der kameradschaftlichen Zusammenkünfte. Zu ihnen gehörten der Königsball zu Beginn jedes Jahres, das Kreisschützenfest, die Seniorentreffen, gemeinsame Ausflüge, Faschingsvergnügen, Grillabende und natürlich an erster Stelle das jährliche Schützenfest mit Königsschießen sowie das Königsessen als Jahresabschluss. Die Schützenschwestern trugen zum Gelingen dieser Veranstaltungen sehr viel bei. Ein wesentlicher Anteil an den sportlichen Erfolgen war den Schießmeistern und Ausbildern zu verdanken, die ihre Freizeit uneigennützig in den Dienst der Gesellschaft, insbesondere der Jungschützen stellten.

Die Vorstände

Der alle zwei Jahre in der Jahreshauptversammlung gewählte Vorstand lenkte in der Vergangenheit die Geschicke der SG hervorragend. Bezeichnend dafür ist, dass der jeweilige Vorstand immer wieder gewählt wurde. So hatte Konrad Horchler das Amt des 1. Vorsitzenden 29 Jahre inne, ein wohl einmaliger Vorgang, über 6,8 oder gar 12 Jahre Vorstandstätigkeit sind keine Seltenheit gewesen. In regelmäßigen Vorstands oder Kommissionssitzungen wurde entscheidende Arbeit zum Wohle der SG geleistet. Nicht zu vergessen die Aktivität der Jungschützen, die sich ausnahmslos vorbildlich einsetzten. Sie sind die Zukunft der SG, ihrer Einbindung in das Sport- und Gesellschaftsleben gilt die Fürsorge aller.

Nach Jahren des Einsatzes für den Aufbau des „Konrad-Horchler-Hauses“ und für die SG übergab Rudolf Göbel 1975 das Amt des 1. Vorsitzenden an seine gewählten Nachfolger Karl Heinz Rehs, der die junge Generation verkörperte und mit Elan die Tradition der SG fortsetzte. Unter seiner Leitung wurden weitere sportliche Erfolge erzielt und die Anlagen noch mehr ausgebaut. Seiner Tatkraft war es zu danken, das die SG eine neue, der Zeit, angepasste Satzung erhielt und die SG die Gemeinnützigkeit zuerkannt wurde.

Aus beruflichen Gründen gab Karl Heinz Rehs 1982 den Vorsitz an Erwin Wetterau ab, der mit jugendlichem Schwung seine verantwortungsvolle Aufgabe übernahm und die sportlichen Erfolge der vergangenen Jahre noch zu steigern vermochte, was besonders auf sein gutes Verhältnis zu den Jungschützen zurückzuführen ist. Er verstand es auch, den Schützengedanken verstärkt unter die Bevölkerung Bebras zu tragen und damit die Verbindung zwischen der SG und den Bebranern noch enger zu gestalten. Seiner Anregung war es zu danken, dass die Proklamation der Würdenträger von der SG jedes Jahr in feierlicher Form unter reger Teilnahme der Bevölkerung  vor dem Rathaus durchgeführt wurde. Auch das jährliche Schießen der nicht schießsporttreibenden Vereine im Konrad-Horchler-Haus entsprangen der Initiativer von Erwin Wetterau und wurde von vielen befreundeten Organisationen, Vereinen u. Verbänden der Stadt Bebra besucht. Das einmal im Jahr stattfindende Bürgerschießen wurde unter seiner Leitung neu belebt. Manche stolze Stadt-Schützenkönigin und stolzer Stadt-Schützenkönig konnte sich der Öffentlichkeit präsentieren. Am Ende des Jahres 1985 betrug die Mitgliederzahl 193 Personen

Das 100jährige Jubiläum

Die ehrenvolle Aufgabe, die SG im 100. Jubiläumsjahr zu repräsentieren haben auf Grund ihrer guten Schießleitungen der Schützenkönig Heinrich Bode, die Schützenkönigin Luise Brehm, der Kleinkaliberkönig Gerhard Fabritz und er Prinz Jochen Becker übernommen.

Unsere Würdenträger im Jubiläumsjahr 1986 v.l. Schützenkönig Heinrich Bode, Prinz Jochen Becker,

Schützenkönigin Luise Brehm, Kleinkaieberkönig Gerhard Fabritz.

Aus den Wurzeln Eintracht, Gemeinsinn, Vaterlandsliebe, Sportgeist und Frohsinn ist im Laufe eines Jahrhunderts eine fest gefügte Gemeinschaft gewachsen, die zwei Weltkriege, politische Wirren und materielle Zerstörung überlebt hat. Aus alter Tradition und Kameradschaft ist ein neuer Schützengeist entstanden, der für die Zukunft alles Gute erhoffen lässt.

Möge die Schützengesellschaft 1886 Bebra e.V. blühen und gedeihen und weitere 100 Jahre bestehen.